Herbstsammlung Thurgau
«Danke Pro Senectute habe ich wieder Lebensfreude»
Bis zur Erschöpfung überfordert
Edith und Herbert sind ein eingespieltes Team, beide 73 Jahre alt, wohnen in ihrer Eigentumswohnung in einer Thurgauer Gemeinde. Sie haben sich ihren Alltag gut organisiert und alltägliche Aufgaben aufgeteilt. Herbert kümmert sich um alles, was Rechnungen, Behörden- und andere Schriftsachen betrifft. Edith tut sich mit dem Computer eher schwer und kümmert sich um die meisten Aufgaben im Haushalt. Vor allen Dingen das Kochen übernimmt sie, dazu ist Herbert gar nicht in der Lage, oft lässt er etwas anbrennen. Bei anderen Arbeiten hilft er aber gerne im Haushalt mit.
Beide kommen gut gemeinsam zurecht. Sie sind fit und gesund, sportlich aktiv und besuchen regelmässig ihre Kinder und Enkel, die am anderen Ende der Schweiz wohnen.
An einem Tag im späten Herbst letzten Jahres erleidet Herbert einen schweren Schlaganfall. Für Edith ist das ein grosser Schock. Nicht nur, dass sie ihren Herbert in diesem hilflosen Zustand im Spital liegen sieht. Von heute auf morgen verändert sich ihr Alltag grundlegend. Besuche im Spital und Gespräche mit Ärztinnen, Ärztne und dem Pflegepersonal sind jetzt an der Tagesordnung. Plötzlich muss sie sich um alles kümmern.
Nach wochenlanger Rehabilitation darf Herbert endlich wieder nach Hause kommen. Damit wird Edith allerdings vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Sie übernimmt nun alleine die Pflege und Betreuung ihres Mannes. Gleichzeitig muss sie sich auch um alle Aufgaben kümmern, die Herbert zuvor erledigt hat. Die vielen Briefe, Formulare und Rechnungen überfordern sie. Oft versteht sie gar nicht worum es geht und was sie tun muss. Manchmal schickt sie Unterlagen an die Krankenkasse weiter, doch dann kommen erneut Schreiben mit weiteren Aufforderungen zurück.
Da ihre Kinder weit weg wohnen und eigene Familien haben, können diese kaum Unterstützung leisten. Am Telefon versucht ihre Tochter regelmässig, ihr zu helfen und zu erklären, was sie machen muss.
All das hilft ein wenig, aber Anfang des neuen Jahres stapeln sich die Briefe auf dem Esstisch. Edith ist zunehmend erschöpfter und mag die Post gar nicht mehr öffnen. Ihre Gelenke und Muskeln schmerzen seit einigen Wochen, sie leidet an Schlaflosigkeit und fühlt sich oft wie benebelt. Sport treibt sie schon lange nicht mehr. Mit der Pflege ihres Mannes ist sie permanent gefordert. Sie kommt kaum noch aus dem Haus und hat keine Zeit mehr für sich.
Ende Januar klingelt das Telefon. Als Edith den Hörer abnimmt, fühlt er sich bleischwer an. Es ist eine Freundin aus ihrer Sportgruppe. Sie macht sich Sorgen und möchte wissen, wie es Edith geht. Sie weiss, was für eine Belastung die Pflege von Angehörigen mit sich bringt. Als Edith ihr erzählt wie erschöpft sie ist, erklärt ihr die Freundin, dass sie sich Hilfe holen muss.
«Hilfe?», denkt Edith. Daran hat sie gar nicht gedacht. Das wäre schön. Sie sieht sich in ihrer Wohnung um. Sie erblickt die vielen ungeöffneten Briefe, die sie aus Überforderung einfach liegen gelassen hat. Die Steuererklärung, die sie nicht ausfüllen kann. Den Haushalt, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat. «Weisst du was, Edith», sagt die Freundin, «wir vereinbaren einen Beratungstermin bei Pro Senectute. Die können dir bestimmt helfen. Sie wissen, wer dich unterstützen kann, und helfen dir weiter.»
Und so passiert es dann auch. Gemeinsam mit ihrer Freundin vereinbart Edith einen Termin bei Pro Senectute. Das Gespräch mit der Sozialarbeiterin erlebt Edith als grosse Entlastung. Für alles, was sie belastet, hat die Sozialarbeiterin eine Idee oder einen passenden Vorschlag.
Sie organisiert eine Treuhänderin von Pro Senectute Thurgau, die Edith bei der Steuererklärung sowie bei Formularen und Rechnungen unterstützt. Sie erklärt alles Schritt für Schritt und zeigt ihr, worauf sie achten muss. Sollte Edith dann immer noch nicht damit zurechtkommen, kann sie ihr auch längerfristig helfen. Gemeinsam rufen sie zudem bei der örtlichen Spitex an und vereinbaren einen Termin, damit Herbert bei der Pflege unterstützt werden kann. Viele andere kleine Probleme können sie so gemeinsam lösen.
Letztlich findet Edith auch wieder Zeit, in ihrer Sportgruppe teilzunehmen. Das tut ihr richtig gut. Dank der Beratung haben sich viele Unterstützungsmöglichkeiten eröffnet. Edith kann für ihren Mann da sein und findet gleichzeitig die nötige Entlastung für sich selbst.
Hinweis: Diese Geschichte beruht auf wahren, zusammengefügten Begebenheiten und Erfahrungen aus dem Alltag unserer Beratungsstellen.
Die Erträge der Herbstsammlung leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Eigenständigkeit der Seniorinnen und Senioren. Mit den Spenden wird seit vielen Jahren das unentgeltliche Sozialberatungsangebot für ältere Menschen und ihre Angehörigen finanziert. In sieben regionalen Beratungsstellen erhalten diese in schwierigen Lebenssituationen unkompliziert Hilfe und Unterstützung, um ihre Probleme nachhaltig zu bewältigen und ihre Eigenständigkeit zu erhalten. Dieses Beratungsangebot ist nur dank den grosszügigen Spenden aus der Bevölkerung dauerhaft möglich.
Vielen Dank an alle helfenden Sammlerinnen und Sammler sowie den Ortsvertretungen für ihren grossen Einsatz bei der Haustürsammlung.