Freiwilligenarbeit kennt kein Alter
Die jüngste Ortsvertretung im Gespräch: Mit ihrem Engagement bringt sie frischen Wind in die Freiwilligenarbeit. Yvonne Liechti, 45 Jahre alt, ist die jüngste Ortsvertretung von Pro Senectute Thurgau. Yvonne setzt sich mit viel Herzblut für ältere Menschen in der Gemeinde Uesslingen ein. Im Gespräch erzählt sie, was sie motiviert und warum ihr die Freiwilligenarbeit besonders am Herzen liegt.
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«Habe auch du Mut und sage Ja zur Freiwilligenarbeit mit Seniorinnen und Senioren!»
Wenn ich dich jemandem vorstellen müsste, was sollte man über dich wissen?
Ich bin Mami von zwei tollen Kindern, seit 14 Jahren verheiratet und betreibe mit meinem Mann die Metzgerei Liechti in Uesslingen. Ich denke immer positiv, habe eigentlich immer gute Laune, sage direkt was ich denke oder mir nicht passt. Ich bin sehr hilfsbereit, teamfähig und freue mich des Lebens!
Du bist die jüngste Ortsvertretung; was hat dich dazu bewegt, dich für ältere Menschen zu engagieren?
Aufgewachsen in Felben-Wellhausen, entwickelte ich schon früh eine enge Beziehung zu meiner älteren Nachbarin, die wie eine Oma für mich war. Bereits als Kind half ich ihr im Alltag; beim Einkaufen, Rasenmähen oder bei der Versorgung der Hasen. Später engagierte ich mich in Uesslingen-Buch bei den Landfrauen, wo ich heute das Amt der Finanzverantwortlichen ausübe. Als First Responder bei der freiwilligen Feuerwehr setze ich mich zudem für die Sicherheit im Dorf ein. Durch meine langjährige freiwillige Tätigkeit in einem Altersheim hatte ich keine Berührungsängste mit älteren Menschen. Als die bisherige Pro Senectute Ortsvertretung ihre Aufgaben in jüngere Hände geben wollte, wurde ich angefragt und sagte überzeugt zu.
Seit zweieinhalb Jahren bist du Ortsvertretung in Uesslingen. Wie sieht dein Engagement aus?
Gemeinsam mit Annette Debrunner, Ortsvertretung Buch, organisiere ich wöchentlich Aktivitäten für Seniorinnen und Senioren. Ausflüge, Vorträge, Spaziergänge oder Besichtigungen. Ein monatlicher Mittagstisch mit bis zu 47 Teilnehmenden sowie Spielnachmittage gehören ebenfalls dazu. Sehr am Herzen liegen mir die Geburtstagsbesuche bei älteren Jubilarinnen und Jubilaren. Ein weiteres wichtiges Engagement ist für mich auch die jährliche Haustürsammlung. Der zeitliche Aufwand ist zwar gross, doch die vielen persönlichen Begegnungen sind sehr bereichernd. Ich gehe mit Stolz von Tür zu Tür und werde stets herzlich empfangen. Die grosse Wertschätzung motiviert mich jedes Jahr aufs Neue.
Was gefällt dir besonders an deiner Aufgabe als Ortsvertretung?
Schon ein einfaches Danke oder ein Lächeln zeigt mir, dass meine Arbeit geschätzt wird. Ich liebe alles an der Seniorenarbeit.
Welche Herausforderungen bringt dein Engagement mit sich?
Herausforderungen kenne ich fast nicht! Es gibt für alles eine Idee oder eine Lösung. Schwieriger ist es, wenn Anlässe abgesagt werden müssen oder geeignete Räumlichkeiten fehlen. Die grösste persönliche Herausforderung ist, das Leid anderer nicht zu nahe an mich heranzulassen, das muss ich noch besser lernen.
Gab es einen Moment, der dir besonders gezeigt hat, wie wertvoll dein Engagement ist?
Freiwilligenarbeit lohnt sich immer. Besonders das Thema Einsamkeit im Alter beschäftigt mich sehr. Ich möchte dazu beitragen, dass sich ältere Menschen gesehen und unterstützt fühlen. Ich habe für alle ein offenes Ohr und möchte, dass es allen gut geht.
Was berührt oder überrascht dich im Kontakt mit älteren Menschen?
Es braucht oft nur kleine Gesten «ein Grüezi oder ein nettes Wort» um grosse Freude zu bereiten. In einem kleinen Dorf wie es Uesslingen-Buch ist, wird das noch gelebt. Wir sind ein Miteinander.
Was wünschst du dir für die Zukunft in der Freiwilligenarbeit?
Ich wünsche mir mehr Engagement, auch von jüngeren Menschen. Unterstützung wird überall gebraucht! Gemeinsam statt einsam sollte im Mittelpunkt stehen.
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, sich freiwillig zu engagieren?
Nicht lange überlegen, machen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es gibt so viele verschiedene Tätigkeiten in der Freiwilligenarbeit. Etwas Passendes wird es auch für dich geben, bestimmt! Nach der ersten freiwilligen Tätigkeit kommt der Gedanke; wieso habe ich nicht schon früher damit begonnen.
Und zum Schluss: Wenn du dein Engagement in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten?
Es erfüllt und berührt mein Herz total, möchte es auf keinen Fall missen und bin sehr dankbar, habe ich, ohne lang zu überlegen, JA gesagt zur Pro Senectute Ortsvertretung Uesslingen.
Liebe Yvonne, herzlichen Dank für das offene Gespräch und dein grosses Engagement. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Herzblut du dich für die ältere Bevölkerung einsetzt. Damit bereicherst du das Leben vieler Menschen. Dein Engagement zeigt, wie wichtig und wertvoll Freiwilligenarbeit ist.
Text von: Claudia Winkler, Koordinatorin Freiwilligenarbeit Region West